casual.tv

interaktive Zusatzdienste für lineares Fernsehen

zwei Männer auf einer Bühne erläutern Casual TV mit Tablett in der Hand

Forschungsziel: Auseinandersetzung mit dem HbbTV-Standard und verwandten Internetdiensten mit Ziel der Entwicklung neuer Sendekonzepte für HbbTV, der Gestaltung von Werbestrategien, der Optimierung der generationenfreundlichen Usability und Erleichterung des Zugangs zu hybriden Angeboten für lokale TV-Sender.

Laufzeit: fortlaufende FuE-Arbeiten seit Beginn 2013 Förderperiode durch das BMBF: 36 Monate (01.09.2013-31.08.2016)

Projektträger: BMBF, Projektträger Jülich, FHprofUnt Zudem gefördert durch Mittel der Industrie- und Handelskammer Leipzig (IHK Leipzig), der Sächsischen Landesmedienanstalt für privaten Rundfunk und neue Medien (SLM) und des Sächsischen Staatsministeriums für Wissenschaft und Kunst (SMWK).

Fragestellung und Motivation

Das Forschungsprojekt casual.tv untersucht die Möglichkeiten des HbbTV-Standards und verwandter Internetdienste für das vernetzte Wohnzimmer. Dabei stehen verschiedenartige Ansätze im Zentrum des interdisziplinären Vorhabens, welche sich aus Bereichen der Informatik, Medientechnik, Markt- und Medienwirkungsforschung sowie Kommunikationswissenschaft zusammensetzen.

Gefördert wurde das Projekt unter dem Namen casual.tv vom Bundesministerium für Bildung und Forschung. Der Zuschauer hat über „yourPlace“ Zugriff auf die Mediathek seines Lokalsenders, kann aber auch in das Programm eines ortsfremden Senders zappen. Darüber hinaus finden sich auf der Plattform verschiedene Apps, vom Wetterbericht über kleine Spiele bis hin zu Videoarchiven.

„Unser wissenschaftlicher Anspruch war es, möglichst viele Optionen für hybrides Fernsehen auszutesten und umsetzbar zu machen, um schließlich zu einem sinnvollen Produkt zu kommen. Zum Beispiel haben wir erstmalig wissenschaftlich beschrieben und erprobt, wie sich die Usability, also die Nutzerfreundlichkeit von hybridem Fernsehen untersuchen und bewerten lässt“, erzählt Projektmitarbeiter René Welz. „Die Erkenntnisse hieraus haben wir natürlich zur Optimierung von yourPlace genutzt.“

Methoden

Im Verbund aus Hochschulen und Unternehmen entstehen so belastbare Analysen zum Marktgeschehen, Usabilitystudien und neuartige Interaktionskonzepte für das lineare Fernsehen auf dem First und Second Screen. Die gewonnenen Erkenntnisse wurden in enger Zusammenarbeit mit Akteuren des Lokalfernsehens unter dem Namen „yourPlace“ zur Marktreife entwickelt.

Daneben programmierten die Forscher eine App fürs Smartphone, über die sich das HbbTV-Angebot des Fernsehers mit dem „Second Screen“ des Smartphones oder Tablets verknüpfen lässt. Möchte der Zuschauer eine Information aus dem Fernsehen im Internet weiterrecherchieren, kann er zum Beispiel eine URL an sein Tablet oder eine Telefonnummer an sein Smartphone senden. Was für den Zuschauer einen zusätzlichen Service darstellt, bietet auch für Werbekunden völlig neue Möglichkeiten. Diese profitieren, ebenso wie die regionalen Sender, außerdem von einer sekundengenauen Zuschauerauswertung. „Für Lokalsender ist es ein schwieriges und teures Unterfangen, ihre Reichweite zu messen. yourPlace bietet hier gleich zwei Vorteile: Erstens können die Sender ihre Reichweite erhöhen, da sie dank HbbTV auch via Satellit und außerhalb ihres Sendegebiets verfügbar sind. Zweitens ist eine exakte Auswertung der Zuschauerzahlen möglich. Dabei hält sich yourPlace, anders als SmartTV-Apps internationaler Medienkonzerne, definitiv an die strengen deutschen Datenschutzrichtlinien“, erläutert Welz.

Projektfortschritt

Bereits während der Projektlaufzeit entstand das Spin-off „ConBox“. Die Gründer beschäftigten sich als Master-Studenten mit yourPlace und entwickelten daraus ein Geschäftsmodell für interaktive Fernsehangebote. Das Start-up ist spezialisiert auf die exakt synchrone Bereitstellung von Zusatzinformationen zum Fernsehprogramm, vor allem bei Sportübertragungen. Damit beschäftigen sich Conbox und yourPlace zwar mit der gleichen Technologie, aber für verschiedene Zielgruppen – denn Sportübertragungen gibt es im Lokalfernsehen so gut wie keine. „yourPlace wurde gezielt für die Bedürfnisse lokaler Fernsehsender entwickelt“, betont Prof. Uwe Kulisch. Diese sind von der Plattform überzeugt: Bereits 12 Lokalsender, von Hamburg bis Ossingen in der Schweiz, sowie 14 App-Kunden mit Zusatzangeboten auf der Plattform sind Teil des Netzwerkes. Leipzig Fernsehen setzt das Programm seit Herbst 2016 ein. „yourPlace ist für uns eine perfekte Ergänzung zu TV, Website und sozialen Medien. Die Plattform bietet den klaren Vorteil, dass die Zuschauer weiter vor dem Fernseher sitzen bleiben und auf dem großen TV-Bildschirm die Mediatheken und andere Informationsangebote nutzen können. Mit yourPlace können wir außerdem nahezu verlässliche Aussagen zum Zuschauerverhalten erlangen. So können wir erstmals sehen, welche Themen die Zuschauer wirklich interessieren, zu welchen Zeiten sie einschalten und wie gut etwa unsere Live- und Sondersendungen angenommen werden“, so Jan Kaufhold, Prokurist bei Leipzig Fernsehen.

Seit Auslaufen der Projektförderung wird yourPlace über das Forschungs- und Transferzentrum e.V. der HTWK Leipzig weiterentwickelt und vermarktet.

Ergebnisse

Seit Auslaufen der Projektförderung wird yourPlace über das Forschungs- und Transferzentrum e.V. der HTWK Leipzig weiterentwickelt und vermarktet.