„Flucht als Krise“ in den Medien

Gruppe verschiedener Menschen im Hintergrund und zwei Menschen mit Smartphone im Vordergrund

Forschungsziel: Das Forschungsprojekt „Flucht als Krise“ untersucht, wie Jugendliche mit medialen Informationen zum Themenfeld Flucht, Migration und Integration umgehen. Es entwickelt Handreichungen für Jugendarbeit und Journalistenausbildung.

Laufzeit: 2017 - 2020

Projektfinanzierung: Bundesministerium für Bildung und Forschung

Fragestellung und Motivation

Mit der „Flüchtlingskrise“ im Jahr 2015 wurden die Themen Flucht, Migration und Integration zu einem der am lautesten geführten gesellschaftlichen und politischen Diskurse.

Durch ihre Darstellung von Flucht, Fluchtursachen und Flüchtenden beeinflussen die Medien maßgeblich, wie die gesamtgesellschaftliche Diskussion sich entwickelt und wie jeder einzelne das Thema wahrnimmt. In diesem Forschungsprojekt arbeiten die HTWK Leipzig, die Heinrich-Heine-Universität Düsseldorf, das JFF – Institut für Medienpädagogik in Forschung und Praxis und das Zentrum für Ethik der Medien und der digitalen Gesellschaft (zem::dg) zusammen, um den Umgang von Jugendlichen mit medialen Darstellungen von Flucht zu erforschen.

„Unser Ziel ist, die Strategien von 10- bis 16-Jährigen zur Bewältigung des Themas Flucht in ihren medialen und sozialen Zusammenhängen zu erforschen und Ansatzpunkte für die Stärkung individueller wie gesellschaftlicher Ressourcen zur Bewältigung herauszuarbeiten“, erklärt Gabriele Hooffacker, Journalistik-Professorin an der Fakultät Informatik und Medien. „An der HTWK Leipzig wollen wir Konzepte entwickeln, wie die erarbeiteten Ergebnisse in die Praxis von Journalismus, Journalistenausbildung sowie in die pädagogische Praxis der Arbeit mit Heranwachsenden in Schule und Jugendarbeit übertragen werden können.“

Die Wissenschaftler wollen dabei auf das Konzept des „Konstruktiven Journalismus“ zurückgreifen. Diese vergleichsweise junge Strömung im Journalismus zielt darauf, nicht nur von Problemen und negativen Ereignissen zu berichten, sondern auch Lösungsansätze für die angesprochenen Probleme zu diskutieren. Im Rahmen des Projekts wird ein Ethik-Guide mit Medienbeispielen und mit kollaborativen Arbeitsformen der Onlinekommunikation sowie einer Handreichung entwickelt. Die entwickelten Guides werden in verschiedenen Einrichtungen der journalistischen Aus- und Fortbildung und in Strukturen der Jugendhilfe erprobt.

Mehrere Tagungen und Jugendkonferenzen in München und Leipzig beziehen Jugendliche, Jugendarbeit und Journalistenausbildung ein. Das Forschungsprojekt „MeKriF“ wird vom Bundesministerium für Bildung und Forschung gefördert und hat eine Laufzeit von drei Jahren bis September 2020. Website zum Projekt mit weiterführenden Informationen:

http://www.jff.de/jff/aktivitaeten/forschung/projekt/proj_titel/mekrif-flucht-als-krise/#

Ergebnisse

Medienbildung konstruktiv und verständlich

Wie Medien das Thema Migration umsetzen können, dazu hat ein HTWK-Projektteam Videos und Lehreinheiten erarbeitet.

Wie kann Journalismus dazu beitragen, dass Themen wie Flucht, Migration und Integration verständlich aufbereitet werden, insbesondere für Heranwachsende? Das Konzept des konstruktiven, lösungsorientierten Journalismus soll den gesellschaftlichen Diskurs unterstützen: Zu Nachrichten wird Hintergrund und Kontext vermittelt, Handlungsoptionen und Lösungswege werden recherchiert und aufgezeigt.

Zum Abschluss des Projekts MeKriF – Flucht als Krise hat Gabriele Hooffacker, Medienprofessorin an der HTWK Leipzig, eine Handreichung für die Journalismus- und Medienausbildung vorgelegt. Im Rahmen des Projekts hat das HTWK-Team sechs Videos produziert, die direkt in Schule, Jugendarbeit oder Medienstudium eingesetzt werden können.

Fernsehen, YouTube und eine Schulstory

In einem der Videos diskutieren die Leipziger Journalistin Luisa Graf und der syrische Journalist Miran Ahmad die Darstellung von Flucht. Sie erklären, wie sie das entsprechende „Framing“, also vereinfachte, tendenziöse Zuschreibungen, in Fernsehnachrichten vermeiden.

Wie sich die Aufbereitung für klassisches Fernsehen und einen Kanal auf YouTube unterscheiden, vergleichen der YouTuber und Redakteur Marvin Neumann und Niklas Schenk, Journalist beim Bayerischen Rundfunk.

In einem dritten Video geht es um eine fiktive Geschichte zum Thema „Racial Profiling“ an einer Schule, und wie sich die Schülerinnen und Schüler via Social Media dazu verhalten.

Wahrheitsgetreu und verständlich

Heranwachsende beziehen viele Informationen zum Thema Flucht über Social Media, über YouTuber-Persönlichkeiten. Sie wünschen sich wahrheitsgetreue, verständliche Darstellung fluchtbezogener Sachverhalte und Glaubwürdigkeit. Die Geflüchteten sollen nicht nur Objekt der Berichterstattung sein, sondern selbst zu Wort kommen. Andererseits kann die Darstellung des Leids der Geflüchteten belastend sein. Eine Einordnung der Inhalte ist wichtig, um bessere Verständlichkeit zu erreichen.

Das zeigen die Gesamtergebnisse des Verbundprojekts MeKriF, an dem außer der HTWK das JFF - Institut für Medienpädagogik in Forschung und Praxis, die Heinrich-Heine-Universität Düsseldorf, die Journalistenakademie in München und das Zentrum für Ethik der Medien und der digitalen Gesellschaft (zem::dg) beteiligt waren.

Hintergrund zum Projekt

Das Projekt wurde zwischen 2017 und 2020 durchgeführt und vom Bundesministerium für Bildung und Forschung gefördert. „Ziel des Vorhabens war es zum einen, herausfinden, wo und wie sich Jugendliche über das Thema Flucht informieren“, sagt Dr. Niels Brüggen vom JFF. „Als Ansatzpunkt für die Medienbildung haben wir das Konzept des konstruktiven Journalismus gewählt, um einen Weg aufzuzeigen, wie der gesellschaftliche Diskurs weitergebracht werden kann“, ergänzt Gabriele Hooffacker von der HTWK.

In Teilprojekten wurden das Medienhandeln der Heranwachsenden und die von ihnen genutzten Medieninhalte analysiert. Aus den Ergebnissen ließen sich Handlungsempfehlungen für die journalistische und pädagogische Praxis ableiten. In Workshops und Jugendkonferenzen in Leipzig (HTWK) und München (JFF, Journalistenakademie) wurden die Materialien in Jugendarbeit und Journalistenausbildung erprobt.

Jugendkonferenz

Zum 21. September 2019 hat das Projekt MeKriF zur Jugendkonferenz an die HTWK Leipzig eingeladen, zum19.  Februar 2020 ins Eine-Welt-Haus nach München.

Das war die Ankündigung:

Wie erleben Kinder und Jugendliche das Thema "Flucht" in den Medien? Wie gehen sie damit um? Wie könnte eine journalistische Berichterstattung aussehen, damit die Heranwachsenden sich damit auseinandersetzen? Dazu lässt sich das Konzept des "konstruktiven Journalismus" einsetzen.

Die Projektpartner (Univ. Düsseldorf, JFF München und weitere) haben dazu empirisch geforscht, Jugendliche befragt und Medien ausgewertet. An der HTWK wurden Materialien für die Jugendarbeit und für die Journalistenausbildung erarbeitet.

Im Vorfeld der Jugendkonferenz fanden Workshops mit Jugendlichen statt, bei denen die erarbeiteten Materialien erprobt wurden.

Bei der Jugendkonferenz an der HTWK am 21. September im Lipsus-Bau werden die bisherigen Ergebnisse vorgestellt und mit den Jugendlichen, mit Journalist/inn/en, Pädagog/innen und Studierenden diskutiert.

Publikation und Tagung

Die Ratschläge für die Journalismusausbildung finden sich als sofort umsetzbare Szenarien samt Videomaterial in der Publikation Journalistische Praxis: Konstruktiver Journalismus von Gabriele Hooffacker (2020).

Mit der Tagung Berichterstattung über Flucht als Krise? Praktische Anregungen für Journalismus und Jugendbildung zum Transfer der Forschungsergebnis in die pädagogische und journalistische Praxis am 16. September 2020 fand das Projekt seinen Abschluss.