Vom 16. bis 20. Oktober 2019 stand die Medien- und Publishing-Branche erneut im Mittelpunkt der jährlichen Frankfurter Buchmesse, um innovative Technologien und Weltliteratur zum Anfassen zu präsentieren. Auch das Team des Forschungsprojektes Open-Access-Hochschulverlag nahm wieder teil und organisierte zu diesem Anlass eine Podiumsdiskussion.
Vom 16. bis 20. Oktober 2019 stand die Medien- und Publishing-Branche erneut im Mittelpunkt der jährlichen Frankfurter Buchmesse, um innovative Technologien und Weltliteratur zum Anfassen zu präsentieren. Auch das Team des Forschungsprojektes Open-Access-Hochschulverlag nahm wieder teil und organisierte zu diesem Anlass eine Podiumsdiskussion.
Zur Podiumsdiskussion auf der Publishing Services & Retail Stage in Halle 4.0, am Donnerstag, der 17. Oktober 2019, diskutierten Beate Bergner, Geschäftsführerin der Kassel University Press, Dr. Gernot Deinzer, Open-Access-Beauftragter der Universitätsbibliothek Regensburg und Prof. Alexander Grossmann, HTWK-Professor für Verlagsmanagement und Projektmanagement in Medienunternehmen und Projektleiter des Forschungsprojektes, welche Rolle Universitätsbibliotheken und -verlage bei der Publikation von Open-Access-Büchern spielen.
Das Panel wurde vom Moderator, Prof. Michael Reiche, mit der Frage an Prof. Grossmann eröffnet, welche Bedeutung Open Access für die Wissenschaft und im Speziellen für Verlage und universitäre Einrichtungen hat.
Prof. Grossmann erläuterte, dass Open Access den freien und kostenfreien Zugang zu wissenschaftlichen Beiträgen, wie Fachzeitschriftenartikel, Monografien sowie Sammel- und Konferenzbände, für den Rezipienten bedeute. Doch während Open Access bei Fachzeitschriften und in den STM-Disziplinen bereits etabliert sei, werden erheblich weniger Fachbücher Open Access gestellt. Dies stelle für die Disziplinen, die vorwiegend ihre Ergebnisse als Buch publizieren, einen erheblichen Nachteil bei der Auffindbarkeit und Sichtbarkeit der Publikationen dar. Das wissenschaftliche Ergebnisse immer öfter kostenlos für die Wissenschaftler im Internet zur Verfügung stehen, bedeutet für die etablierten Verlage, dass sie neue Geschäftsmodelle entwickeln müssen. Das am weitesten verbreitete Geschäftsmodell zur Herstellung und Publikation von OA-Fachbüchern bisher sei in Analogie zu den Article Processing Charges (APC) bei Fachartikeln in Zeitschriften eine einmalige Gebühr, die vor Publikation des Buches vom Autor, seiner Hochschule oder einer Institution zur Forschungsförderung an einen Verlag bezahlt werden muss.
Wenn es solche Angebote von den Wissenschaftsverlagen gäbe, inwiefern würden dann noch Hochschulverlage benötigt werden, folgt die Frage des Moderators an das Panel.
Daraufhin entgegnete zunächst Fr. Bergner, dass sie Hochschulverlage durchaus für sinnvoll erachte, da sie die derzeitige Publikationslandschaft ergänzen und sie insbesondere den Mitgliedern der eigenen Institution die niederschwellige, zeitnahe und kostengünstigere Publikation ihrer Forschungsergebnisse bieten können. Dies sei für Wissenschaftler gerade für die Veröffentlichung von Konferenzbänden interessant.
Dr. Deinzer ergänzte, dass die Nähe zum Wissenschaftler bei den institutseigenen Bibliotheken und Verlagen von Vorteil ist, da somit bereits ein Vertrauensverhältnis bestünde. Er stellte daraufhin die Frage, warum man dieses bestehende Vertrauensverhältnis nicht nutzen solle, um Publikationstätigkeiten von den kommerziellen Verlagen in die Institutionen zurückzuholen, was durch den technischen Fortschritt nun möglich sei. Er führte fort, dass das Wichtigste hierbei sei, dass die Inhalte sichtbar und auffindbar gemacht werden. Gerade in diesem Bereich würden die Kompetenzen in den Hochschulbibliotheken vorliegen, was sie als alternative Verleger so attraktiv mache, auch wenn Metadatenstandards erst entwickelt werden müssten.
Fr. Bergner stimmte dem zu und ergänzte, dass es durch die Vielzahl der Veröffentlichungen, aber auch der verschiedenen Bibliothekskataloge, -verzeichnisse und Plattformen schwieriger geworden sei, eigene Inhalte sichtbar zu machen. Aus diesem Grund benötige die Online-Publikation die gedruckte Ausgabe. Gerade bei OA-Publikationen sei es wichtig, in den gedruckten Ausgaben auf die OA-Online-Publikation zu verweisen, um die Sichtbarkeit beider Publikationsformate zu unterstützen.
Prof. Reiche stellte daraufhin die Frage ans Panel, ob es aufgrund dieser Komplexität neuer Lehrangebote an den Hochschulen für die Ausbildung der neuen Anforderungen bedarf. Es existieren die Studiengänge der Bibliothekswissenschaften und der Verlagsherstellung. Ist es notwendig diese zu fusionieren?
Dr. Deinzer erwiderte, dass das Publizieren und die Langzeitarchivierung schon immer Teil der Bibliotheken war. Mit dem technischen Fortschritt verändere sich sicherlich das Berufsbild des Bibliothekars, der vermehrt informationstechnische Methoden anwenden muss. Fr. Bergner bestätigte dies, erläuterte aber, dass in die Bibliotheken noch stärker das Handwerkzeug eines Verlegers transferiert werden müsse, um als gleichberechtigter Publikationsanbieter neben den kommerziellen Verlagen zu bestehen.
Daraufhin fragte Prof. Reiche, ob Universitätsbibliotheken bzw. –verlage sich als Konkurrenten zu den kommerziellen Verlagen verstünden.
Ja, dies sei durchaus der Fall, so Dr. Deinzer, da das bislang existierende Publikationssystem nicht mehr in der Lage sei, die Informationsversorgung zu gewährleisten, wenn Hürden, wie extrem hohe Publikationsgebühren, aufgerufen werden. Aus diesem Grund seien mit dem digitalen Wandel neue Publikationsmethoden, wie Open Access, entstanden. Es gilt nun die alten Geschäftsmodelle zu überdenken und hierfür neue zu schaffen.
Fr. Bergner erwiderte, dass sie sich weniger als Wettbewerber sehe, sondern vor allem den Hochschulverlag als Service für die Mitglieder der eigenen Hochschule anbieten möchte.
Zum Abschluss der Diskussion, fragte Prof. Reiche die Teilnehmer, wie relevant der Markenaufbau für Universitätsbibliotheken und –verlage sei, vor allem, wenn sie Open Access publizieren.
Dr. Deinzer erläuterte, dass er nicht davon überzeugt sei, dass das OA-Publizieren eine Marke oder die Reputation des Verlages benötigt, da die Inhalte für jeden frei lesbar sei und daher durch die Rezipienten entschieden werden können, ob die Publikation von diesem Verlag seine Arbeit unterstützen. Leider sei die Marke eines Verlages heutzutage durchaus relevant, da die Evaluationskultur der Wissenschaft von der Reputation des Verlages abhinge, auch wenn der Ruf eines Verlages nicht den Unterschied zwischen qualitativ hochwertiger und weniger hochwertiger Literatur verrate.
Prof. Grossmann bekräftigte dies und erläuterte, dass er diese Evaluationskultur als nicht mehr zeitgemäß empfinde. Es sei für Universitätsbibliotheken und –verlage daher wichtig, Publikation nach höchstem Qualitätsstandard und state-of-the-art zu publizieren, um diese Kultur zu verändern. Hierfür müssten dringend Standards zur OA-Qualitätssicherung entwickelt werden.
Wir danken den Panel-Teilnehmern recht herzlich für die spannenden Diskussionen!
Im nächsten Jahr wird, wie üblich, in der Heimatstadt der HTWK, die Leipziger Buchmesse vom 12.-15. März 2020 stattfinden.
Zudem werden am Vortag, Mittwoch, der 11. März 2020, die Abschlusstagung des Forschungsprojektes zur bestmöglichen Übertragung des gewonnenen Wissens auf andere Institutionen und spannende Fachvorträge zum Thema Open Access organisiert. Nähere Informationen folgen in Kürze über den Newsletter.

