Am Mittwoch, den 27. Juni 2018, kamen Vertreter von Universitätsverlagen, Wissenschaftsverlagen, Dienstleistern, Bibliotheken und Open-Access-Förderinitiativen zu einem eintägigen Workshop im Gutenberg-Bau der HTWK Leipzig zusammen, um gemeinsam unter dem Motto Best Practices – Open-Access-Publikationsworkflow für Bücher die aktuelle Situation der Publikationslandschaft zu analysieren und Herausforderungen bei der Publikation von Open-Access-Bücher zu diskutieren.
Hintergrund
Der Workshop wurde zum Auftakt des vom Bundesministeriums für Bildung und Forschung (BMBF) geförderten Forschungsprojektes OA-Hochschulverlag unter der Leitung der HTWK-Professoren Alexander Grossmann und Michael Reiche durchgeführt. Ziel des Vorhabens ist es, einen medienneutralen sowie kosten- und personaleffizienten Workflow zu entwickeln, der Hochschulen und Universitäten befähigen soll, ihre Forschungsarbeiten und Graduierungsschriften in digitaler Form als Open Access (OA) und als gedrucktes Buch selbst zu veröffentlichen.
In Deutschland gibt es zwar bereits Universitätsverlage, die für die frei zugängliche Veröffentlichung von Werken der Forscher und Wissenschaftler ihrer Institutionen sorgen, jedoch geschieht dies häufig unter erheblichen technischen oder lizenztechnischen Einschränkungen hinsichtlich des Formats oder der Metadaten. Dies kann sich negativ auf die Sichtbarkeit und Auffindbarkeit von Veröffentlichungen, zum Beispiel in institutionellen Repositorien, auswirken. Außerdem fehlt es an den Institutionen und Hochschulen in der Regel an Knowhow aus der Verlagsbranche, was die ökonomischen und technischen Grundlagen betrifft.
Etablierte Wissenschaftsverlage bieten ebenso die Publikation von Fachbüchern als Open Access an. Hierfür werden jedoch Publikationsgebühren zwischen 1000€ und über 15.000€ verlangt. Dieser Betrag ist ohne Förderung kaum aufzubringen - weder von den Autoren noch von Bibliotheken.
Teilnehmer
Vor diesem Hintergrund wurden neben den Universitäts- und Wissenschaftsverlagen ebenso Bibliotheken, Dienstleister und OA-Förderinitiativen als Stakeholder identifiziert und zum Workshop eingeladen. Schließlich stellen Bibliotheken bei der Verbreitung von wissenschaftlichen Werken eine zentrale Instanz dar, um die Inhalte frei verfügbar und sichtbar zu machen. Dienstleistungsunternehmen sind grundsätzlich wichtige Partner für die Produktion von Fachbüchern. Darüber hinaus unterstützen sie mit wissenschaftlich orientierten Services traditionelle Wissenschaftsverlage genauso wie die Universitätsverlage bei der der Produktion der OA-Inhalte.
Nicht zuletzt gibt es verschiedene Fördereinrichtungen, welche die Aufwendungen für OA-Publikationen hinsichtlich einer möglichst hohen Effektivität koordinieren, so dass alle Stakeholder den höchstmöglichen Nutzen erreichen können. Sie sind daher ebenso wichtige Stakeholder für das Forschungsprojekt.
Ablauf
Insgesamt 19 Vertreter dieser fünf Stakeholdergruppen konnten im Juni an der HTWK Leipzig begrüßt werden. Ziel des Workshops war es die verschiedenen Herangehensweisen bei der Publikation von OA-Inhalten zu sammeln und Erfahrungen auszutauschen. Außerdem galt es, Fragestellungen zu identifizieren, die bislang noch nicht thematisiert wurden, die es aber im Rahmen des Forschungsprojektes zu klären gilt, um in der Lage zu sein, tatsächlich einen übertragbaren Publikationsworkflow für OA-Bücher entwickeln zu können.
Zu diesem Zweck wurden im ersten Teil des Workshops die Teilnehmer gebeten, in kurzen Pitch-Vorträgen ihre Sicht auf die Publikationslandschaft vorzustellen, sowie aktuelle Herausforderungen und Wünsche hinsichtlich der Publikation von OA-Inhalten zu erläutern. Die Vorträge stellten die Grundlage für eine Diskussion im zweiten Teil des Workshops dar. Hier wurden die genannten Herausforderungen und offenen Problemstellungen auf Karteikarten gesammelt, diskutiert und Themenbereichen zugeordnet.
Ergebnisse
Anhand der Pitch-Vorträge der Teilnehmer konnte die Annahme bestätigt werden, dass die Publikationslandschaft für wissenschaftliche Inhalte in Deutschland derzeit sehr heterogen ist. Vor allem die Universitätsverlage unterscheiden sich erheblich voneinander, u.a. hinsichtlich finanzieller Aspekte, der organisatorischen Aufstellung oder der angebotenen Services für die Wissenschaftler.
Auch die traditionellen Wissenschaftsverlage abseits des universitären Umfelds gehen unterschiedlich mit den Herausforderungen einer OA-Buchpublikation um. Während einige etablierte Verlage bereits seit vielen Jahren die Publikation von OA-Büchern anbieten, beginnen andere erst, Open Access als Geschäftsmodell zu integrieren. Den Pitches der Dienstleister konnte entnommen werden, dass diese bereits gut auf die Veränderungen der Verlagslandschaft durch die OA-Bewegung eingestellt sind. Die Angebote reichen hierbei vom Full-Service-Paket für OA-Verlage, welches es ermöglicht, zahlreiche Prozessschritte, wie Korrektorat und Covererstellung, des Publikationsworkflows auszulagern, bis zu modularen Workflow- und Softwarepaketen, die die medienneutrale und automatisierte Publikation von wissenschaftlichen Inhalten unterstützen.
Die letzten Pitches der Stakeholdergruppe OA-Förderer bzw. Förderinitiative zeigten eine weitere Facette der OA-Landschaft auf. Förderung im Sinne von Open Access kann sich einerseits auf die Kommunikation der zunehmenden Bedeutung dieser Bewegung für die Wissenschaft beziehen. Andererseits umfasst OA-Förderung auch die konkrete Entwicklung von Finanzierungsmodellen für Verlage und Bibliotheken, damit der freie Zugang zu wissenschaftlichen Inhalten für jeden Leser weltweit gesichert werden kann.
Diese Erkenntnisse machen deutlich, dass es ein wichtiges Ziel des Forschungsprojektes sein muss, die existierenden Publikationsworkflows zu analysieren und allgemeingültige Prozesse zu identifizieren, die für die medienneutrale sowie kosten- und personaleffiziente Publikation von OA-Büchern notwendig sind. Hierbei wird die Schwierigkeit darin bestehen, die individuellen Problemstellungen der Verlage von grundsätzlichen Herausforderungen, die alle Stakeholder betreffen, abzugrenzen.
Wie bereits erwähnt, wurden im zweiten Teil des Workshops die in den Pitch-Vorträgen genannten Herausforderungen der Stakeholder auf Karteikarten gesammelt, Themenfeldern zugeordnet und diskutiert. In der gemeinsamen Diskussion wurden dabei sechs Themenfelder identifiziert.
Im Kontext des ersten Themenfeldes Zielgruppe wurde vor allem die Frage behandelt, ob es für Verlage notwendig und sinnvoll ist, spezielles OA-Marketing zu betreiben und in diesem Rahmen Fachbücher entsprechend der relevanten Zielgruppe zu publizieren. Die Diskussion konzentrierte sich hierbei häufig auf die Markenbildung von Universitäts- und Nischenverlagen, sodass Markenbildung als zweites Themenfeld ergänzt wurde. In diesem Zusammenhang wurden die Bedeutung der Markenmacht der Verlage auf die Verbreitung von Inhalten thematisiert, sowie die Frage nach einem Instrument zur Messung des Einflusses von Büchern als Äquivalent zum Impact Factor für Fachzeitschriften. Im Themenfeld Kosten wurden unterschiedliche Aspekte der Finanzierung von Universitätsverlagen behandelt sowie die Vor- und Nachteile einer Zusammenarbeit zwischen diesen und etablierten Wissenschaftsverlagen diskutiert.
Eng miteinander verbunden waren die Fragestellungen, die den Themenfeldern Qualität und Workflow zugeordnet wurden, da die Verbesserung von Arbeitsabläufen meistens auch zu einer Verbesserung der Produktqualität führt. Diskussionsschwerpunkte bildeten hier außerdem die Vor- und Nachteile beim Einsatz von Software zur Automatisierung der Produktion sowie Argumente für und gegen das Outsourcing von Prozessen. Zuletzt wurden im Kontext des Themenfeldes Rechtliches vor allem die unterschiedlichen Einstellungen der Stakeholder bezüglich der CC-Lizenzen diskutiert.
Zusammenfassung
Zusammenfassend kann festgestellt werden, dass durch die Diskussion mit den Stakeholdern die Ziele des Workshops erreicht wurden. So konnten neben der Bestätigung der These, dass die aktuelle Publikationslandschaft sehr heterogen ist, auch neue Aspekte gesammelt werden, die weiteren Forschungsinput für das Projekt darstellen. Zudem helfen die ermittelten Themenfelder dabei, die Komplexität des Vorhabens zu reduzieren. Hierbei darf jedoch nicht außer Acht gelassen werden, dass alle Themenfelder eng miteinander verknüpft sind und sich nur bedingt voneinander abgrenzen lassen.
Ausblick
Diese im Workshop ermittelten Erkenntnisse müssen nun genauer betrachtet und evaluiert werden, damit sie anschließend in die Entwicklung des Publikationsworkflows für OA-Bücher einfließen können. Für den weiteren Verlauf des Forschungsprojektes ist es geplant, den entwickelten Publikationsworkflow mit Hilfe von ausgewählten Fallbeispielen in einem Open-Access-Hochschulverlag an der HTWK Leipzig zu demonstrieren und letztendlich zu verstetigen, damit eine leichte Übertragbarkeit auf andere Institutionen im Rahmen eines offenen Wissenstransfers gegeben ist.



