Partizipative Formate im Lokalfernsehen

Forschungsziel: Niedrigschwellige Fernsehformate zur Zuschauerbeteiligung sollen die Zuschauerbindung verbessern, TV-Beiträge generieren und ggf. neue Mitarbeiter gewinnen. Die erarbeiteten Modelle und Formate werden auf lokale Fernsehsender in Sachsen angepasst und implementiert.
Laufzeit: dauerhaftes Projekt
Fragestellung und Motivation
Lokalfernsehsender in Sachsen können mithilfe von Bürgerreportern versuchen, deren Themen in eigene Formate zu integrieren, gemeinsam neue Formate zu schaffen und Content für das Tagesgeschäft geliefert zu bekommen. Für den Sender bedeutet dies einen erhöhten Betreuungsaufwand, etwa durch die Qualifizierung der Reporter, insbesondere aber auch durch die Motivierung der Bürger über die Anlaufphase des Projektes hinaus. Gleichzeitig sind durch den Einsatz partizipativer Formate langfristig eine größere Themenvielfalt, höhere Zuschauerbindung und eine bessere Verankerung in lokalen Strukturen zu erwarten.
Lösungsansätze gibt es überall dort, wo Communities computergestützt erfolgreich funktionieren, also insbesondere in den großen sozialen Netzwerken. Aber auch Computerspiele, insbesondere die MMORPGs, verfügen über Belohnungsmechanismen, die deren Kunden nicht nur zum Spielen, sondern sogar zum Kauf von Abonnements, Erweiterungen und Items bringen. Zudem gibt es kollaborative Software, die das gemeinsame Bearbeiten von Daten fördert, hier insbesondere für das gemeinsame Bearbeiten von Dokumenten und Code-Fragmenten für Software. Auch in der Medienbranche gibt es vereinzelt erfolgreiche Communities, allerdings überwiegend für jugendliche Zielgruppen.
Gerade im Lokalfernsehen bilden diese Smart Natives aber oft nur einen kleinen Prozentsatz der Zuschauer und sind selbst nicht dessen Kerngeschäft. Über das Senden kurzer Ton-, Bild und Textnachrichten zu aktuellen Ereignissen unter Verwendung einer Smartphone-App hinaus sollen Bürger auch und vor allem redaktionelle Arbeit verrichten können. Gerade durch die Sender geschulte Bürgerreporter oder ausgebildete Journalisten werden dabei andersartig mit den zu entwickelnden Möglichkeiten umgehen und somit andersartigen Content erzeugen können, als eine ausschließlich mithilfe einer Smartphone-App generierten Community. Hier gilt es auf dem Weg zu einem einheitlichen Gesamtsystem zwischen den Vorstellungen der TV-Sender, den Ansprüchen der Smart Natives und den Bedürfnissen der Digital Immigrants abzuwägen, oder sich diesen, sowie möglichen weiteren Zielgruppen separat zu widmen.
Im Verlauf des Projekts werden Modelle für partizipative Formate erarbeitet. Sie können mithilfe der ebenfalls an der HTWK Leipzig entwickelten Reporter-Go-App erprobt und umgesetzt werden.
Veröffentlichungen
Die Ergebnisse der einzelnen Projektphasen sind in diversen Veröffentlichungen publiziert. Einen Zwischenstand (Ende 2018) gibt der Beitrag "Bürgerreporter: zwischen Partizipation und professioneller Redaktion. Formate des Bürgerjournalismus im Lokalfernsehen" von Gabriele Hooffacker in der Ausgabe 3 der Zeitschrift "Journalistik" wieder.