Praxisprojekte

Praxisprojekte sind die „Königsdisziplin“ im sechsten Fachsemester: In kleinen Teams von zwei bis vier Studierenden werden Projektthemen bearbeitet. Neben der fachlichen Aufgabenstellung gilt es somit, auch Gruppendynamiken zweckorientiert zu meistern. Der Grundgedanke ist, sehr berufsnah und selbständig Projekte in Absprache mit den Projektpartnern zu entwickeln. Die Betreuung erfolgt durch einen der Professoren des Studiengangs.

Die Projektthemen ergeben sich aus dem Studentischen Praxissemester oder werden von anderen Museen, Institutionen, Vereinen an den Studiengang herangetragen. Wie weit gefächert sie sein können, mit welchen Projektpartnern operiert wird, zeigt die folgende Liste der Praxisprojekte aus dem letzten Sommersemester.

Praxisprojekte 2020

Feinkonzept für die Ausstellung „Historismus: Delitzsch im Aufbruch in die Moderne“

Dieses Praxisprojekt in Kooperation mit dem Museum Barockschloss Delitzsch dient der präsentationsreifen Vorbereitung einer Wechselausstellung in diesem städtischen Museum. Grundidee der Ausstellung ist, mit ständiger Konkretisierung für Delitzsch den stilgeschichtlichen Begriff Historismus und den sozial- und wirtschaftsgeschichtlichen Begriff Industrialisierung als zwei synchrone Phänomene zusammenzuführen. Einerseits steht eine umfangreiche Sammlung an historistischem Hausrat verschiedener sozialer Schichten zur Verfügung, andererseits gibt es hinreichende lokalgeschichtliche Wissensbestände zum Verkehrswesen, zur Technisierung der Produktion (Dampfmaschine), zum Ausbau der Infrastruktur (Wasser, Gas, Elektrizität, Straßen), zu Bevölkerungswachstum, Wohnungsbau, Konsumentwicklung usw. Ergebnis des Praxisprojekts soll ein Ausstellungsdrehbuch mit Wandtexten, Exponatliste samt Exponatbeschriftungen und Wandabwicklung sein.

Betreuer: Prof. Dr. Dr. Markus Walz

Öffentlichkeitsarbeit des Studienganges Museologie: Online-Präsenz und MUTEC

Dieses Projekt ist zweigeteilt mit der zwingenden Notwendigkeit einer engen Zusammenarbeit zwischen den Beteiligten. Es richtet sich an alle, die weitere Kompetenzen in verschiedenen Bereichen der Werbe- und Öffentlichkeitsarbeit erwerben wollen: 1. Der Studiengang Museologie wird dieses Jahr wieder mit einem Messestand auf der MUTEC. Internationale Messe für Museums- und Ausstellungstechnik vertreten sein, die parallel zur denkmal vom 5. bis 6. November 2020 auf der Leipziger Messe stattfindet. Aufgabe des Praxisprojektes ist es, ein inhaltliches und gestalterisches Konzept für diese Präsentation zu entwickeln und zu realisieren. Dabei kann auf Erfahrungen und das vorherige Konzept zurückgegriffen, doch ebenso Neues entwickelt werden. 2. Die digitale Transformation erreicht alle Bereiche – auch die Werbe- und Öffentlichkeitsarbeit von Studiengängen. Aufgabe des Praxisprojektes ist es, eine dringend anstehende Weiterentwicklung der MUB-Webseite in Angriff zu übernehmen und vor allem die Facebook-Seite intensiv zu betreuen. Neue Impulse können hier gesetzt werden. Grundvoraussetzung ist die Bereitschaft zur permanenten Aktualisierung der Facebook- wie der Webseite. Auch die Beschaffung von geeignetem Fotomaterial zu besonderen Events des Studiengangs, die Kontaktaufnahme zu den Ausstellungsteams und Alumni*ae und die Unterstützung des Messe-Duos gehören dazu. Eine Schulung mit dem Content Management System Typo 3 wird erfolgen. Der Vorteil: die Flexibilität ist bei diesem Projekt groß, dafür muss aber bis zum Ende des Wintersemesters Webseite wie Facebook betreut werden. Ähnliches ist für das Messe-Duo zu bedenken. Der Aufbau des Messestandes liegt außerhalb der für die Studienleistung vorgesehenen Zeit, also im 7. Fachsemester: Diejenigen, die konzipiert haben, übernehmen auch die Realisation auf der Leipziger Messe und die Standbetreuung. Eine tatkräftige Unterstützung von Seiten des Studiengangs wie des zweiten Projekt-Duos ist dafür gesichert; anfallende Kosten für die Realisation werden übernommen.

Prof. Dr. Johannes Tripps, Prof. Dr. Gisela Weiß

Erfassung des Bestands „Entwürfe Wilhelm Wagenfelds für die Vereinigten Lausitzer Glaswerke (Teil 1)" im Glasmuseum Weißwasser

Bei dem zu bearbeitenden Konvolut handelt es sich um etwa 100 Gläser des Bauhaus-Schülers und Glasgestalters Wilhelm Wagenfeld. Wagenfeld übernahm 1935 auf Initiative des Unternehmers Karl Mey die künstlerische Leitung der Vereinigten Lausitzer Glaswerke. Die Gläser, die er in den zehn Jahren seiner Tätigkeit für die VLG entwarf, zeichnen sich durch ihre hohe Funktionalität, Klarheit, sparsam verwendetes Dekor und die Farbepalette bronzegrün, rauchgrau, saphirblau und zitronengelb aus. Die Objekte befinden sich heute in der Sammlung des Glasmuseums Weißwasser. Die Erfassung erfolgt mit dem Inventarisierungsprogramm FAUST. Für Studenten, die sich entscheiden, ihr Praxissemester im Glasmuseum Weißwasser zu verbringen, wird eine kostenlose Unterkunft der örtlichen Wohnungsbaugesellschaft zur Verfügung gestellt. Um dieses Angebot zu gewährleisten, wird jedoch um eine rechtzeitige Anmeldung (mind. 8 Wochen im Voraus) gebeten. Falls infolge der Fortdauer der Coronakrise eine Reise nach Weißwasser nicht möglich sein sollte, wird eine Fotodokumentation der Objekte zur Verfügung gestellt.

Prof. Dr. Johannes Tripps

Tübke Touch-Projekt

Auf Anregung der Bürgerinitiative „Werner Tübke“ plant der Projektträger in Kooperation mit seinen Partnern in Leipzig unter dem Titel „Tübke – Digital“ die Umsetzung der ersten digitalen Retrospektive des Monumentalwerks „Die Frühbürgerliche Revolution in Deutschland“, das sogenannte Bauernkriegspanorama, dass sich im Panorama Museum in Bad Frankenhausen befindet. Das erste Teilprojekt umfasst die Überführung des digitales Bilddatensatzes, der kunsthistorischen Inhalte sowie der erarbeiteten Annotationen in das digitale und interaktive Vermittlungsinstrument „Tübke Touch“. Während die Erstellung, die redaktionelle Betreuung und die Einpflege der kunsthistorischen Textinhalte in das „Tübke Touch“ in Kooperation mit dem Panorama Museum Bad Frankenhausen erfolgt, wird die Erarbeitung der Annotationen einzelner Gegenstände, der Kleidung und Personen bzw. Personengruppen des Bildprogramms und dessen Überführung in das „Tübke Touch“ in Kooperation mit dem Studiengang Museologie umgesetzt. Das Vermittlungsinstrument „Tübke Touch“ besteht neben der Software aus großen Touchscreens. Diese laden zur interaktiven Kunstbetrachtung des Monumentalwerkes von Werner Tübke ein. Dank extrem hoher Auflösung können Schüler-innen und Schüler moderiert und/oder selbstständig in die Details des Bildpro-gramms eintauchen und die Hintergründe zu den einzelnen Szenen erfahren. Diese von Softwareentwicklern, Museolog*innen, Kunsthistoriker*innen und Grafiker*innen gemeinsam entwickelte Möglichkeit des Bild-Minings bietet für Laien und Kunstexperten gleichermaßen ganz neue, datengestützte Möglichkeiten für Forschung und Kunstgenuss. Es sind Darstellungsformen, wie die der digitalen Messung, die das bisher Unentdeckte sichtbar werden lässt. Mit Hilfe des Vermittlungsinstruments „Tübke Touch“ gelingt es den Schülerinnen und Schülern, aber auch den Lehrerinnen und Lehrern fächer- und schulartübergreifend digital und interaktiv diesen bedeutenden Ostdeutschen Maler und dessen Werk näher zu bringen. Das Vermittlungsinstrument „Tübke Touch“ bildet das digitale und interaktive zentrale Instrument der Vermittlungsarbeit.

Prof. Dr. Johannes Tripps

Entwicklung für eine Jubiläumsausstellung zur Geschichte der Volkshochschule Leipzig

Die Volkshochschule Leipzig wird 2022 ihren 100. Geburtstag feiern. Um dieses Jubiläum angemessen zu begehen, soll ein attraktives und flexibles Ausstellungskonzept entwickelt werden, das nicht nur die Geschichte der Volkshochschule präsentiert, sondern auch die Idee der Volkshochschule als Lern- und Begegnungsort mit partizipativen Methoden umsetzt. Die Hauptaufgabe dieses Projekts besteht zunächst darin, die bisherigen Sammlungen zu sichten und zu verzeichnen, um sie für ein ansprechendes Ausstellungskonzept in den Gebäuden der Löhrstraße aufzubereiten. Wieweit Raum bleibt, ein vollständiges Ausstellungskonzept schon als Ergebnis dieses ersten Projektes anzugehen, bleibt dem Verlauf und dem zeitlichen Bedarf durch den Sichtungs- und Verzeichnungsprozess vorbehalten. Erste Ausstellungsplanungsideen werden aber in jedem Fall – allein schon in Form von Vorschlägen, wie diese Sammlungen in Zukunft gelagert und in eine Ausstellungspräsentation integriert werden können – anstehen und zu verschriftlichen sein.

Betreuung: Prof. Dr. Gisela Weiß

Konzeption eines Materialkoffers zum Thema NS-Zwangsarbeit in Leipzig

Auf dem ehemaligen Gelände der Hugo und Alfred Schneider AG (HASAG), dem in der NS-Zeit größten Rüstungsbetrieb in Sachsen und einem der Hauptprofiteure von NS-Zwangsarbeit während des Zweiten Weltkriegs, befindet sich heute ein Wissenschaftspark. An der Stelle der Zwangsarbeiter-baracken sind seit den 1950er Jahren Mehrfamilienhäuser entstanden. Mit dieser vollständigen „Überformung“ können die damaligen Ereignisse nur schwer sichtbar gemacht werden. So versucht die Gedenkstätte für Zwangsarbeit Leipzig (GfZL) – über ihre Präsentation am authentischen Ort hinaus – zu wirken. Eine solche Erweiterung soll auch Ziel des Praxisprojektes sein: ein „Museumskoffer“, der die Erfahrungen polnischer und sowjetischer Zwangsarbeiter*innen in den Fokus nimmt. Er soll an Schulen ausgeliehen werden können und idealerweise auch für die gedenkstättenpädagogische Arbeit mit Schulklassen vor Ort funktionieren. Aufgabe des Projektes ist, die Inhalte zu konkretisieren, Objekte, Dokumente und Fotografien auszuwählen und didaktisch zu kommentieren sowie ein Begleitheft für Lehrkräfte zu entwickeln. Der „Prototyp“ soll mit zwei Schulklassen erprobt und die Ergebnisse sollen ausgewertet werden.

Prof. Dr. Gisela Weiß

Inventarisierung des Nachlasses der Gestalterin Gertrud Kleinhempel für das Kunstgewerbemuseum Dresden (SKD)

Das Kunstgewerbemuseum der Staatlichen Kunstsammlungen Dresden (SKD) besitzt rund 2.000 Entwurfszeichnungen der Designerin und Künstlerin Gertrud Kleinhempel (1875–1948), bestehend aus archivalischen Quellen und Entwurfszeichnungen von Möbeln, Schmuck und Gebrauchsobjekten. Anhand dieses reichhaltigen Materials kann exemplarisch die Stellung der Gestalterin Kleinhempel innerhalb der gesamtdeutschen Designgeschichte erarbeitet und nachvollzogen werden. Das Konvolut ist durch die Fotothek der Sächsischen Landes- und Universitätsbibliothek in Gänze digitalisiert und online einsehbar. Die Aufgabe für die Studierenden besteht in der Inventarisierung dieses Nachlasses auf Grundlage der Ersterfassung durch die Fotothek/SLUB (APS-Datenbank). Diese Daten werden im Vorfeld in eine geeignete Excel-Tabelle überführt, die Studierenden werden die darin gesammelten Informationen überarbeiten. Die bereinigten Daten werden am Ende des Projekts automatisch in die Daphnedatenbank der SKD einspeist. Die zu bearbeiteten Felder bzw. Grunddaten werden durch das Kunstgewerbemuseum vorgegeben. Der Nachlass teilt sich in verschiedene Bereiche auf, so dass jeder Studierende klar abgrenzbare Objektgruppen bearbeitet. Folgende drei Gruppen sind für das KGM von besonderer Relevanz: Möbel, Schmuck, Mode. Sie sollen über die Grunddaten hinaus etwas vertieft bearbeitet werden. Dazu sollen die Studierenden die digital vorliegenden Primärquellen (Fachzeitschriften, Kataloge) abgleichen und die Artikel sowie Abbildungen zu Kleinhempel archivieren, was wiederum die Grundlage für die Einordnung der zu inventarisierten Entwürfe bildet. Thomas Geisler, Direktor des Kunstgewerbemuseums, betont: „Für das Kunstgewerbemuseum ist es eine einmalige Gelegenheit, die Entwurfszeichnungen von Gertrud Kleinhempel für die SKD und somit für die Forschung und Öffentlichkeit zu sichern. Eine Entdeckung, die sich durch die intensive Auseinandersetzung mit Frauenpersönlichkeiten in den Deutschen Werkstätten Hellerau ergeben hat, und ein Thema, an dem wir konsequent weiterarbeiten.“

Prof. Dr. Johannes Tripps